Zurück zur Startseite Das unvermeidliche (?) "Über mich"

… was ich allerdings etwas individuell gestalten möchte. Hoffentlich gefällt's den Lesern!



Geboren wurde ich in einer Stadt inmitten des Kohlenpotts. Als es hier noch Zechen gab, aber keine Autobahn und keine U-Bahn. Die A52 hieß da noch B288, die A40 B1 und B60. Eine A42 gab's gar nicht, aber den Baldeneysee schon. Kettwig und selbst Burgaltendorf waren noch nicht eingemeindet; die Ruhrtalbrücke wurde erst in meinem zarten Alter von fünf Jahren begonnen zu bauen. Damit sollte eigentlich Alles zu meinem Geburstjahr und meinem Geburtsort verraten sein. Offizieller Geburtsort ist das Uni-Klinikum. Ach nee, nur "Klinikum". Die Uni stand da noch lange nicht am nördlichen Rand des Güterbahnhofes und Großmarkts. Die Weststadt war noch voll krass die Kruppstadt.



Schule? Damals hieß das noch "Volksschule", die Schule selbst noch "Schinkelschule". Heute heißt sie "Friedenschule", welche damals aber noch an der Wächtlerstraße stand. (Kommt immer gut auf Stayfriends). Übrigens hieß die Wächtlerstraße da auch noch auf der linken Seite noch Wächtler- und nicht Heilermannstraße. Die B1 lag da dort nicht.

Gymnasium? Das gibt es heute nicht mehr; in den Räumen unterrichtet jetzt die Frida-Levy-Gesamtschule. Die Volkshochschule stand da noch nicht,
später dann erst als "Haus der Erwachsenenbildung". Und heute am selben Ort längst wieder abgerissen.  Mensch, ist der Typ alt …



Da ich ja nun Abitur hatte (übrigens mit
π als Durchschnittsnote), durfte ich auf eine rrrichtige Uni. Meine Wahl zwecks Studiums der Elektrotechnik (Fachrichtung Nachrichtentechnik) fiel auf die RUB. Nach vier Semestern durfte ich feststellen, daß eine rrrichtige Uni zu theoretisch für mich war und ich wechselte auf die Fachhochschule Bochum (Abteilung Gelsenkirchen). Die gibt's heute übrigens auch nicht mehr, sondern sie heißt nun  "Westfälische Hochschule". Und man macht dort auch wohl weder Ing grad - der wo ich geworden wäre - noch Dipl Ing FH, sondern irgendwas mit Bachchor (sp?).

Auf diesem Etablissement leckte ich Computerblut. An einem Dietz 621. Schnell wurde das Studium zweitrangig und meine EDV-Affinität vorrangig. Ein TRS80-Nachbau Namens Eaca Genie im deutschen Vertrieb von Trommeschläger kam ins Haus. Die damals aufkeimenden Computerzeitschriften wie "Computer Persönlich", "Happy Computer", die "mc" als Ableger der Microcomputerseiten der "Funkschau" und die damals "neugeborene" c't suchten freie Autoren.  Das war's dann mit dem  Studium. Nein, nicht aufgegeben, sondern nicht mehr hingegangen.



Trachtenverein. Bundesrepublik. Größter. Die hatten irgendwann kein Verständnis mehr für einen ewigen Studenten, der stattdessen seinem Computerhobby nachging und wollten mich stattdessen (damals noch) 15 Monate inhaftieren. Ohne Bewährung. Allerdings lernte ich dort ein interessantes Gerät Namens "NCR Decision Mate V" kennen, welches wahlweise mit CP/M und dem damals flatschneuem IBM-Betriebssystem betrieben werden konnte. Mhh, wie hieß das eigentlich? Kurz drauf kam dann ein Commodore PC in die Abteilung.

Übrigens eine "Filiale" der zivilen(!) StoV. Zur allgemeinen "Freude" meines miltärischen Vorgesetzten (Aka "Spieß") hatte ich noch einen zivilen, der mich immer dann dringend brauchte, wenn militärischerseits Kriegsspielen angesagt war. Hat der Spieß nicht überwunden und mich Bürohengst zum Zelten auf die Anhöhen des Weißendorfer Strands befohlen.



Die Zeit danach. Exmatrikuliert. Zurück ins Studium hätte ich zwar immer noch gedurft, aber schon lange nicht mehr gewollt. Nun stand ich da, ohne Arbeit, ohne Berufsausbildung, ohne Hochschulabschluss. Also zum Arbeitsamt. (Für die jüngeren unter den Lesern: "Agentur für Arbeit").  Frage dort: "Was haben Sie zuvor gemacht", Antwort: "Vergebens versucht, Elektrotechnik zu studieren. Dann Bund …". Weiter kam ich nicht. Man würde mich anschreiben. Der Schrieb kam. "Vorladung" zu einer "Schulung auf CAD für Maschinenbauingenieure" bei Siemens. Siemens war amüsiert. Ich nicht. Wieder hin aufs Amt.

Draußen hingen Auskunftsterminals für Stellenangebote. Drangesetzt, mir ein paar EDV-bezogene ausgesucht. Da es draußen nur Nummern gab, mit denen rein. Staunen in den Gesichtern der (sorry) Tippsen. "In den Kaufhof als Computerfachverkäufer wollen Sie?  Vobis kennen Sie? HEW kennen Sie? …?". Hätten sie gleich richtig hingehört, hätten sie nicht so dümmlich gefragt.

Ich seh grad: HEW existiert wohl sogar noch. Aber die wollten einem Ungelernten nichts Vernünftiges zahlen.



Vobis. Vermutlich mein Glück, daß Big Boss Theo selbst ein abgebrochener Student war. Hingegangen. Vorgesprochen. 14 Tage später meinen Job in Duisburg gehabt. Erst Verkäufer, dann wegen Abgangs des stellvertretenden Filialleiters selbst Stelli. Mit aufkommender Technik, die niemand so recht machen wollte außer mir auch noch Filialtechniker. Alles ohne kaufmännische oder technische Berufsausbildung. Vobis stieg und stieg. Und fiel und fiel.

Als ich den in die eigene Tasche arbeitenden Filialleiter in Duisburg absägte, lobte man mich in den Kaufhof Mülheim  weg. (Der ist übrigens auch derweil abgerissen). Shop im Shop #1: Erster Stock hinter den Kindermoden. Sucht dort jemand die Computerabteilung? Vor allem die zweite im Hause! Danach dann ins Untergeschoss hinter die nun mal ja gar nicht aufgelöste Kaufhof-Computerabteilung. Als das - wen wundert's? - floppte, Springerjob. Meine eigentlich schönste Zeit bei der Vobis. Fast täglich in einer anderen Filiale eingesprungen. Wenn dort weg, dann nach mir die Sintflut :-). Nur Mönchengladbach war "etwas" nervig. Meine Springerstelle wurde gestrichen, in Herne wurde eine Filialleiterstelle frei.

Kurz drauf Verfranchisung. Und dann das Aus, weil sich es nicht mehr rechnete. Der Franchiser war ein Osnabrücker Systemhaus, welches sich wohl nicht mehr an die Vobis-Kandarre hat nehmen lassen wollen. Jeder kleiner Schrauber war da flexibler und billiger geworden, als am Vobis-Tropf hängen zu müssen.



Privat? Hauptsächlich Hobby zum Beruf gemacht. Beruf wieder zum Hobby. Wandern. Nein, nicht mit Gamsbockgamaschen, sondern als Flachlandtiroler durch den so schön gewordenen Pott, dessen Hauptdorf jetzt sogar zur grünen Hauptstadt gekürt wurde.
Fotografieren. Eine Zeit lang auch funktechnisch affin.

Und nun ein alter, fauler Sack, der langsam beginnt, an all jenem die Lust zu verlieren. 

© 2017 Ulrich Heidenreich