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Die unendliche Boxengeschichte

Mein erstes Boxenpaar waren Grundig-Kugelboxen. Damals musste es grundsolides "Made in Germany" sein. Japanzeug ist doch nur Schrott :-) Es dürfte die Grundig 210 gewesen sein.  An einem Tandy Radioshack "Realistic"-Receiver. Sowas Ähnliches wie der da. Tandy war damals gleichermaßen schweineteuer wie spottbillig, wenn Auslaufmodelle verramscht wurden. Die Boxen allerdings dürfte ich zuvor an einem TK745 betrieben haben.



Boxen Nummer 2 waren zwei kräftige JLB (Kein Tippfehler! Keine JBL!) mit den markanten Achteckchassis. Ähnlich wie  die, aber auch den Mitteltöner als Achteck. Hinter einem Braun Regie 450 und dazu passendem Braun Plattenspieler.



Als Nummer drei kamen dann die besagten Canton Karat 60 (Bereits in der Bassreflex-Ausführung) ins Haus. Zuspieler ein Pioneer A656. Eigentlich wollte ich nur die Karat 40, aber ein "fähiger" Verkäufer schwatzte mir die "Messepreis. Kaum teuerer als die 40"-Sechziger auf. Richtig viel Wumms. Eigentlich zuviel Wumms für meine 10m²-Bude. Aber Wumms war in dem Alter angesagt. Und nicht Auflösung und Räumlichkeit. Das kam erst später.



Später dann las der Herangewachsene Märchen von "Die Musik löst sich von den Boxen. Die Instrumente und Stimmen stehen sauber gestaffelt im Raum". Mit den Canton am Pioneer nie erlebt. Nur Wumms. Zu der Zeit hatte ich zwar In der "Stereo" (oder war's die "Audio" oder "Hifi Vision"?) einen Test zur Tannoy NFM8 (Beherrscht hier jemand Kyrillisch/Russisch?) gelesen: "Die Musik war einfach da" hieß es da. Aber Tannoy war damals für mich unbezahlbar und deswegen nicht mehr als ein Wunschtraum. Bis zur Canton Karat 60 war noch alles "Sponsored by Grandma".



Erst viel später kamen dann "Experimente" mit Verstärkern und Boxen.  Eigentlich nur als PC-Boxen gekauft, als ich feststellte, daß der Pioneer - wohl als reinrassiges A-Energieschwein - ein Stromfresser sondergleichen war: Ein Paar ESI nEar05 Aktivboxen aus der Musiker-Ecke. Die mal scherzeshalber mit ins Wohnzimmer genommen und Bauklötze gestaunt. Plötzlich war Räumlichkeit und Auflösung da. Nur am Bass mangelte es bei einem 5"-Chassis ein wenig. Also gegen die ESI aktiv 08 umgetauscht. 8"-Woofer. Bass war da, Räumlichkeit wieder weg :-(



Dann machte man mich auf ein Selbstbauprojekt Namens "Picolino 2" aufmerksam. Breitbänder und Transmissionline seien der  Garant für punktgenaue Abbildung.  Waren sie. Zum ersten Mal kullerte auf Auberge Chris Reas Weinflasche quer durch mein Wohnzimmer, nachdem er hinten rechts die Kneipentür zuschlug und vorne links den Wagen startete. Pink Floyd's Ummagumma-Federvieh flatterte mir förmlich um die Ohren.  Nur "pegelfest" und "9 cm Breitbänder im Schuhkarton" standen sich diametral entgegen.



Wenn sich aber zwei Chassis die Arbeit teilen, aber trotzdem Bass und Hochtonchassis auf einer Achse liegen, könnte daraus doch was werden. Siehe Tannoy Dual Concentric. Siehe aber auch die KEF XQ10 mit dem vergleichbarem UniQ-Chassis, die mich als preisgünstiges Ausstellungstück so lieb anlächelte, daß ich sie einfach mitnehmen musste. Noch bessere Auflösung als die Picolino und kristallklarer Klang.  Es wär zu schön gewesen, aber es haperte auch dort an der Pegelfestigkeit.



Irgendwo "dazwischen" hatte ich auch eine kleine Teufel im Hause, die im Hochtonbereich absolut nervig klang. Eine Swans D2000F, die vorgab ein d'Appolito zu sein, aber keiner war. Irgendwo dazwischen hatte ich auch mal den Verstärker im Verdacht, aber erfolglos eine Rotel-Kombi und einen Cambridge
Topaz AM10 hier. Alles entweder keine Räumlichkeit oder kein guter Klang. Rotel und Cambridge waren mir wohl zu "englisch" abgestimmt. Am besten spielte da immer noch ein - aus Stromspargründen den A656 ersetzender - kleiner Pioneer A20K auf.



Dann kamen die KEF R500. In der Hoffnung, neben der Klarheit der XQ10, auch etwas mehr "untenrum" zu liefern. Denkste! Flach, leblos, weder brillante Höhen noch knackiger Bass. Man sagte mir, dies sei kein Wunder bei einem solchen Spielzeugverstärker wie dem Pioneer: Ein Accuphase müsse her! Er kam und die R500 lebten von Tag zu Tag mehr auf.  Allerdings mit horrend langer Einspielzeit, die ich leider dazu nutzte, mir den Wunschtraum "Tannoy" zu erfüllen. Fast schon wäre ich so verrückt gewesen, mir eine Stirling zu kaufen, hatte aber den Eindruck, dort einfach zuviel Moos in britische Schreinerkunst und nicht nur in Elektrik zu stecken. Also wurden es Revolution XT8F.



Mt jedem Tag, an dem die Tannoys unausgepackt herum- weil die R500 im Wege standen, klangen die R500 besser und besser. Noch mehr zustellen wollte ich aber meine Bruchbude nicht, also wollten erst einmal die R500 verkauft sein. Als die (irgendwie leider, denn sie begannen, mir zu gefallen) dann endlich den Besitzer wechselten, kramte ich mal scherzeshalber die ollen Cantöner Karaten aus und staunte zum zweiten Male in meinem Lautsprecherleben Bauklötze:

Hinterm Accuphase brachten die plötzlich nicht nur Wumms, sondern auch fast jahrzehntelang vermisste Auflösung und Räumlichkeit. Sie deklassifizierten eine ebenfalls irgendwann dazwischen günstig gebraucht gekaufte Tannoy DC 1000. Bis ich die Canton wiederhörte, fand ich sie ausgezeichnet. Um nicht zu sagen: Die Beste meines Boxenzoos. Im Vergleich zur Canton klingen sie jetzt aber völlig nasal verschnupft.

© 2017 Ulrich Heidenreich